Ein zweites Leben für das Stück Seife: Zwischen Umweltschutz und echter Menschlichkeit
Stell dir vor, du checkst aus einem Hotel aus und lässt ein fast unbenutztes Stück Seife zurück. In Deutschland landen davon jährlich Millionen Tonnen im Müll. Doch was, wenn dieses kleine Stück Seife zum Ankerpunkt für ein neues Leben werden könnte?
Zusammenfassung: Mit Millionen Tonnen Seifenmüll emotionale Momente schaffen
In dieser Folge von Footprint Moments begrüßt Sybille die inspirierende Bernise Revière, Gründerin von SapoCycle Germany. Bernise erzählt die bewegende Geschichte hinter ihrem „Herzensprojekt“: Wie sie Nachhaltigkeit, soziale Teilhabe und humanitäre Hilfe in einem einzigartigen Kreislauf vereint.
Was Sie erwartet:
- Der magische Moment: Warum beim ersten Stück recycelter Seife in der Werkstatt Tränen flossen. - Social Impact: Wie die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Nürnberg Menschen neue Perspektiven schenkt. - Kinderleicht für Hotels: Warum Nachhaltigkeit in der Hotellerie kein großer Aufwand sein muss. - Vision 2026: Von Hygiene-Workshops bis hin zu neuen Recycling-Ideen für Plastik und Textilien.
Lass dich anstecken von Bernise’ Leidenschaft und erfahre, warum wir alle zweimal hinschauen sollten, bevor wir etwas wegwerfen. Denn oft ist das, was wir als Müll betrachten, für jemand anderen ein wertvolles Geschenk.
Key Topics:
DIE MISSION: Wie Bernice Revière durch SapoCycle Umwelt-Recycling, soziale Teilhabe und humanitäre Hilfe vereint. DER KREISLAUF: Vom Housekeeping im Hotel über die Aufbereitung in der Werkstatt bis zur kostenlosen Verteilung an Bedürftige. SOZIALER IMPACT: Die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Nürnberg und die Förderung neuer Fähigkeiten bei den Mitarbeitern. HOTELLERIE LEICHT GEMACHT: Warum nachhaltiges Seifen-Recycling für Hotels kaum Mehraufwand bedeutet. ZUKUNFTSVISIONEN: Ausblick auf industrielle Seifenreste, Hygiene-Workshops und neue Plastik-Recycling-Projekte für 2026. INSPIRATION: Bernice’ Appell für ein neues Bewusstsein im Umgang mit Ressourcen („Müll ist oft ein Geschenk“).
Timestamps: 00:00 Intro: Das Problem der Millionen Tonnen Seifenmüll 01:07 Bernise’ Weg: Von der TV-Reportage zum „Herzensprojekt“ 04:14 Die drei Säulen von SapoCycle Germany 06:14 Der emotionale Moment: Die erste SapoCycle-Seife 09:48 Wie es funktioniert: Der kinderleichte Prozess für Hotels 12:43 Zahlen & Fakten: Von 4.000 auf 14.000 Seifen in zwei Jahren 14:56 Die Verteilung: Wer profitiert von der kostenlosen Seife? 16:25 Charity-Events: Hotellerie-Teams packen Hygienetaschen 18:50 Appell an Hotelbetreiber: So einfach werdet ihr Partner 20:00 Ausblick 2026: Industrieseifen, Hygiene-Workshops & Plastik-Recycling 23:13 Gemeinschaft erleben: Zusammenarbeit auf Augenhöhe 26:28 Bernise’ Tipp: Innehalten, bevor man etwas wegwirft 28:41 Abschluss & Dank
Resources & Links: SapoCycle Germany – Hier findest du alle Informationen zur Mission, zum Team und wie du als Hotelpartner oder Spender unterstützen kannst. Für Hotels: Partner werden – Details zum einfachen Sammelprozess und den Vorteilen für deinen Hotelbetrieb. LinkedIn: Bernise Revière auf LinkedIn – Vernetze dich direkt mit Bernice für Austausch und Kooperationen.
Partner & Standorte Werkstatt-Partner: Lebenshilfe Nürnberg / WerkStadt Lebenshilfe Nürnberg – Erfahre mehr über die wertvolle Arbeit der Werkstatt, in der die Seifen recycelt werden. SapoCycle Schweiz – Das Mutterprojekt und die erste Social Franchise-Basis in der Schweiz.
Inspiration & Tipps Nachhaltigkeits-Tipp: Prüfen Sie vor dem Entsorgen von Hotel-Textilien (Bettlaken, Vorhänge) lokale Upcycling-Möglichkeiten. Verteilungs-Partner: Informieren Sie sich bei der Deutschen Tafel oder der Stadtmission in Ihrer Nähe, wie Hygieneartikel dort Leben erleichtern.
Hinweis: Sie wollen Ihren Hotelseifen ein zweites Leben schenken? Dann kontaktieren Sie Bernise Reviére oder Footprint Properties.
Interview mit Bernise Revière
Takeaways
Zusammenfassung der Folge: Das zweite Leben der Seife In dieser inspirierenden Episode von Footprint Moments räumt Bernice Revière mit dem Vorurteil auf, dass Nachhaltigkeit in der Hotellerie kompliziert sein muss. Als Gründerin von SapoCycle Germany hat sie ein System geschaffen, das weit über einfaches Recycling hinausgeht.
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:
Der SapoCycle-Dreiklang: Das Projekt verbindet ökologischen Umweltschutz (Müllvermeidung) mit sozialer Teilhabe (Arbeit für Menschen mit Behinderung) und humanitärer Hilfe (kostenlose Hygieneartikel für Bedürftige).
Wirkung ohne Aufwand: Für Hotels ist der Prozess „kinderleicht“. Das Housekeeping sammelt Seifenreste einfach separat; SapoCycle übernimmt die komplette Logistik, Aufbereitung und Verteilung.
Echte Inklusion: In Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Nürnberg erhalten Menschen mit Behinderung nicht nur eine Aufgabe, sondern werden zu „Seifenmeistern“, die stolz auf ihr hochwertiges Produkt sind.
Wachsende Reichweite: In nur zwei Jahren wurden bereits über 14.000 Seifen gerettet und an Senioren, Studenten und Alleinerziehende über Tafeln und Stadtmissionen verteilt.
Vision 2026: SapoCycle denkt weiter. Geplant sind Hygiene-Workshops für Betroffene sowie innovative Recycling-Lösungen für Industrie-Seifenreste und Plastik.
Bernise’ Goldene Regel: Bevor etwas im Müll landet, sollten wir innehalten und uns fragen: „Kann daraus etwas Neues entstehen oder hat es für jemand anderen noch einen Wert?“
Fazit: Nachhaltigkeit beginnt im Kleinen – manchmal bei einem Stück Seife –, entfaltet aber eine riesige Wirkung, wenn Menschlichkeit und Kreislaufwirtschaft Hand in Hand gehen.
Kapitel
Begrüßung Die drei Säulen von SapoCycle Germany Der emotionale Moment: Die erste SapoCycle-Seife aus dem Extruder Wie es funktioniert: Der kinderleichte Prozess für Hotels Die Verteilung: Von 4.000 auf 14.000 Seifen in zwei Jahren Ausblick 2026: Industrieseifen, Hygiene-Workshops & Plastik-Recycling Gemeinschaft erleben: Zusammenarbeit auf Augenhöhe in der Werkstatt
Begrüßung
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Footprint Moments, dem Podcastkanal von Footprint Properties. Wir sprechen hier über nachhaltige Hotellerie und über jene Menschen, die ihren Footprint nachhaltig dort hinterlassen möchten. Stellt euch vor, ihr checkt aus dem Hotel aus und auf dem Waschtisch liegt ein kleines Stück Seife, nur zweimal benutzt. In Deutschland landen davon Millionen Tonnen im Müll. Ich habe heute eine ganz besondere Gästin eingeladen, denn sie hat sich vorgenommen, diesen Seifen ein zweites Leben zu schenken. Herzlich willkommen, Bernise Revière von SapoCycle Germany. Hallo Bernise!
Bernise: Guten Morgen Sybille! Danke für das tolle Intro und danke natürlich für die Einladung.
Sybille: Es freut mich sehr, dass du heute da bist. Bernise, bevor wir mit Zahlen oder Inhalten einsteigen: Es wäre klasse, wenn du erzählst, wer du bist und wie du zu dieser Mission gekommen bist.
Bernise: Ja, sehr gerne. Also, ich bin Bernise Revière. Ich bin Chimicoise. Ich bin in Kanada geboren, in der französischen Provinz von Kanada. Ich lebe seit mehr als 25 Jahren hier. Das Spannende ist, dass ich eigentlich gar nicht aus der Hotellerie komme. Viele denken, ich sei in der Hotellerie groß geworden – überhaupt nicht. Ich denke, das Projekt SapoCycle hat mich gefunden. Vor ein paar Jahren habe ich eine Reportage im Fernsehen über SapoCycle gesehen und ich erinnere mich noch ganz genau: Das war sofort ein Gänsehaut-Moment für mich. Ich denke, das war wie Liebe auf den ersten Blick, weißt du? Das hat mich fasziniert.
Es hat mich fasziniert, weil es nicht nur ein Projekt ist, mit dem wir Gutes tun, sondern weil es diese drei Säulen vereint: die Umwelt, die Teilhabe am Arbeitsleben und die Hilfe für Menschen in Not. Das alles in Deutschland zusammenzuführen, war für mich eine riesige Faszination. In der Pandemie kam diese Idee wieder zurück und ich dachte mir: „Okay, dieses Mal möchte ich diese Idee weiterverfolgen.“ Nicht nur sagen: „Ja, das war cool, das habe ich mal gesehen“, um es dann wieder zu vergessen. Nein, ich dachte mir: „Jetzt suche ich, ich google, ich gehe auf LinkedIn.“ Ich habe versucht, die Person, die ich damals gesehen habe, wiederzufinden. Und tatsächlich habe ich sie gefunden: Dorothee, die Gründerin von SapoCycle in der Schweiz. Ich habe ihr am frühen Morgen geschrieben: „What about SapoCycle Germany?“ Und ja, so hat die Reise angefangen.
Die drei Säulen von SapoCycle Germany
Sybille: Das heißt, die drei Säulen haben dich magisch angezogen. Du hast es erwähnt: Ihr kombiniert Nachhaltigkeit mit diesem sozialen Impact. Stand für dich von vornherein fest, mit der Werkstatt der Lebenshilfe in Nürnberg zusammenzuarbeiten? Was war der Grund?
Bernise Revière: SapoCycle Germany ist das erste Social Franchise von SapoCycle. SapoCycle gibt es in der Schweiz schon seit zehn Jahren, in Frankreich seit fünf Jahren. Dass wir in jedem Land mit Werkstätten für Menschen mit Behinderung zusammenarbeiten, war von Dorothee damals schon so geplant. Als ich Dorothee kennengelernt habe, bin ich kurz darauf in die Schweiz gefahren, um es mir mit eigenen Augen anzusehen. Und ja, es hat mich so fasziniert. Da war mir klar: Das ist nicht nur irgendein Projekt nebenbei, sondern das wird meine persönliche Mission. Oder wie ich oft sage: Es ist mein Herzensprojekt. Damals stand für mich fest, dass ich dieses Projekt einfach nach Deutschland bringe.
Sybille: Man merkt es dir schon an, dass es wirklich ein Herzensprojekt ist. Du strahlst so richtig, wenn du darüber erzählst. Nun vergeht einiges an Zeit: Man gründet einen Verein, plant das Ganze, die Vorbereitungszeit... und dann kommt endlich die erste recycelte SapoCycle-Seife aus Deutschland aus der Form. Wie war das für dich?
Der emotionale Moment: Die erste SapoCycle-Seife aus dem Extruder
Bernise Revière: Wenn du das sagst, bekomme ich jedes Mal feuchte Augen. Ich werde diesen Tag nie vergessen. Der erste Tag, an dem dieses Stück SapoCycle-Seife herauskam... es war so besonders. Wie du sagst, egal welches Projekt man startet, man muss es vorbereiten. Bei uns hieß das: Satzungen vorbereiten, warten, alles zusammenbringen, was wir brauchen – ohne zu wissen, ob es richtig gut gehen wird. Auch das Team der Werkstatt zusammenzubringen, Prozesse zu schreiben... das hat sehr, sehr viel Zeit gekostet, bevor die erste Pilot-Seife herauskam.
Ich erinnere mich daran: Wir waren alle da. Von der Werkstatt Lebenshilfe war die Seifenmeisterin Christina dabei, Helmut und zwei der Mitarbeiter. Es war uns von Anfang an sehr wichtig, den Prozess so zu schreiben, dass er auch für sie passt. Und dann haben wir alles wie geplant gemacht. Dann kam die Masse in den Extruder – das ist die Seifenmaschine. In diesem Moment hatten wir das Gefühl, wir hätten aufgehört zu atmen. Es war wirklich so. Dieser Moment von: „Jetzt könnte es klappen – oder es wird ein Flop.“ Wir wussten es nicht. Es waren ein paar Sekunden, in denen wir alle nur zugeschaut haben. Und dann kam diese wunderbare, lange SapoCycle-Seife heraus. Sie hatte genau die Textur, die wir wollten, sie war noch warm... das war ein krasser Moment. Da habe ich geweint. Da bin ich echt in Tränen ausgebrochen. Dieses Gefühl von: Es ist nicht nur ein kleines Projekt...
Es ist etwas Besonderes, weil wir wissen, was mit dieser Seife noch passiert. Und für die Mitarbeiter der Werkstatt... ja, das war eine Mischung aus Schreien, Applaus und Stolz, das Ergebnis zu zeigen. Wir haben viele Fotos gemacht. Das war ein ganz besonderer Moment. Und ich denke, solche Momente machen es aus. Denn das Projekt SapoCycle ist nicht nur Seifen-Recycling, sondern dieses Zwischenmenschliche. Das hat diese starke Bindung zwischen uns, dem SapoCycle-Team, und den Mitarbeitern der Lebenshilfe geschaffen. Ich liebe sie einfach, das merkt man.
Sybille: Das glaube ich sofort. Man spürt den Moment, allein weil ich schon Gänsehaut von deinen Erzählungen bekomme. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie toll die Emotionen allein in der Werkstatt gewesen sein müssen. Magst du unseren Hörern noch einmal kurz den kompletten Kreislauf erklären? Ihr sammelt die Seifen ein, dann kommen sie in die Werkstatt – und was passiert danach?
Wie es funktioniert: Der kinderleichte Prozess für Hotels
Bernise Revière: Genau. Ich bekomme oft die Frage, ob das überhaupt kompliziert ist. Wenn man sagt: „Ja, ich möchte gerne mitmachen“, haben wir den Prozess für das Hotel bewusst kinderleicht gestaltet. Es fängt beim Housekeeping-Team an. Normalerweise nehmen sie die gebrauchte Hotelseife am Waschbecken weg und werfen sie in den Müll. Wenn man sagt: „Okay, jetzt mache ich mit bei SapoCycle Germany“, wird diese Seife genauso vom Housekeeping eingesammelt, aber sie wird nicht weggeworfen. Es gibt einen kleinen Behälter auf dem Housekeeping-Wagen, in den sie hineingelegt wird.
Am Ende des Tages gibt es in jedem Housekeeping-Raum einen Karton – ganz ohne Plastik. Jedes Teammitglied legt die gesammelten Seifen einfach in diesen Karton. Dort trocknen sie von alleine. Wenn sie eine gewisse Menge haben, schreiben sie uns eine E-Mail. Wir kümmern uns komplett um den Versand, die Logistik, das Recycling und natürlich um die kostenlose Verteilung der SapoCycle-Seifen in Deutschland. Das heißt, für das Hotel ist es wirklich nur dieser minimale Part. Darum sage ich: Es ist kaum Aufwand für das Housekeeping-Team, weil wir uns eigentlich um alles kümmern.
Die Verteilung: Von 4.000 auf 14.000 Seifen in zwei Jahren
Sybille: Wie läuft die Verteilung der Seifen ab und wer sind die Abnehmer?
Bernise Revière: Darauf sind wir ganz, ganz stolz. Im ersten Jahr haben wir etwa 4.000 bis 5.000 Seifen gemacht. Damit waren wir zufrieden. Die Mitarbeiter der Werkstatt mussten sich ja auch erst einarbeiten. Das war eine neue Fähigkeit, die sie lernen mussten. Viele hatten vorher noch nie einen Sparschäler benutzt, um die Seifen zu reinigen, oder gelernt, wie man die Seifen mischt, bevor sie verarbeitet werden. Sie haben also viele Fähigkeiten für sich selbst dazugelernt.
Sybille: Ihr hattet im ersten Jahr schon viereinhalbtausend Stück? Ich finde das übrigens eine sehr bemerkenswerte Zahl für das erste Jahr, vor allem wenn die Fähigkeiten erst noch erlernt werden mussten.
Bernise Revière: Ja, genau. Wir waren tatsächlich stolz darauf. Letztes Jahr haben wir eine zweite Gruppe aufgebaut und produzieren seit dem Frühling ca. 1.200 SapoCycle-Seifen pro Monat. Das ist eine Steigerung und zeigt auch die Erfahrung. Jetzt sind sie ein unglaublich tolles Team; jeder weiß, was zu tun ist. Wir können offiziell sagen: Obwohl das Projekt erst zwei Jahre alt ist, haben wir bereits mehr als 14.000 SapoCycle-Seifen kostenlos in Deutschland verteilt.
Und wie funktioniert das mit der Verteilung? Wir können sie nicht jedem einzeln in die Hand geben. Das heißt, wir arbeiten mit unterschiedlichen Tafeln in Deutschland zusammen. Auch an Frauen- und Kinderhäuser liefern wir kostenlose Seife. Das sind sozusagen unsere Distributionspartner. Am Anfang haben wir sie manchmal selbst kontaktiert und gesagt: „Hey, wir haben Seife kostenlos abzugeben.“ Tatsächlich fragten sie uns anfangs: „Wieso wollt ihr uns das schenken?“ Und wir sagten: „Das ist tatsächlich unsere Mission: die Seife kostenlos weiterzugeben.“ Die Partner verteilen sie dann in den Regionen weiter. Oft höre ich: „Das ist wahrscheinlich für obdachlose Personen.“ Aber ich würde sagen: Bei uns sind es bisher vor allem Senioren, die zu den Tafeln oder zur Stadtmission kommen. Auch viele Studenten holen sich die Seife, oder alleinerziehende Mütter und Väter.
Sybille: Das hätte ich gar nicht gedacht.
Bernise Revière: Genau, das sind die Menschen, die unsere Seife kostenlos bekommen. Das läuft wirklich total easy. Wenn die Organisationen nicht weit von Nürnberg entfernt sind, holen sie die Seifen ab; wenn sie weiter weg sind, werden sie versendet.
Manchmal machen wir auch tolle Events gemeinsam mit Hotels. Letztes Jahr haben wir für die Berliner Tafel zusammen mit einem Hotel ein Event gemacht, bei dem wir selbst Hygienetaschen gepackt haben. Das ist auch etwas ganz Besonderes. Ich denke, niemand von uns wird diese Verteilung so schnell vergessen.
Sybille: Das hört sich wirklich sehr spannend an. Wie darf man sich so ein Event vorstellen? Bringt ihr die Seifen zum Hotel und das Hotel verkündet dann die Distribution?
Bernise Revière: Wir organisieren das alles vorher. Das ist unser Part: Wir schauen, welche Tafeln wir in welcher Region kontaktieren wollen, und organisieren alles. In diesem speziellen Fall war auch ein Hygieneartikel-Unternehmen dabei, das Produkte gespendet hat, um die Taschen zu füllen. So war nicht nur eine SapoCycle-Seife darin, sondern auch Zahnbürsten, Zahnpasta, Deo und solche Sachen. Ich denke, das ist eine sehr schöne Art, die Hotellerie-Branche für ein paar Stunden zusammenzubringen. Was auch ganz besonders war: Wir hatten kleine Schildchen dabei. An jeder Hygienetasche war eine Botschaft, die von der Gruppe per Hand geschrieben wurde – zum Beispiel: „Für dich“, „Ich denke an dich“ oder „Viel Spaß mit diesem tollen Produkt“. Ja, das war ein ganz besonderes Event.
Sybille: Eine persönliche Botschaft, ganz toll. Wenn wir jetzt Hotelbetreiber als Zuhörer haben, die bei dieser Mission dabei sein möchten: Was müssen sie tun?
**Bernise Revière:**Man kann uns einfach per E-Mail oder Telefon kontaktieren. Auf der Website stehen alle Informationen. Das war’s schon. Wir können sofort anfangen. Es ist super simpel. Es ist kein großer Aufwand. That’s it.
Sybille: Ihr habt es gehört: Seid dabei, meldet euch! Ihr habt jetzt wie viele Hotels dabei? Ich glaube 30 Hotels und insgesamt 2,5 Tonnen Seife gesammelt? Wow. Wo geht die Reise noch hin? Wo wollt ihr am Ende des Jahres stehen?
Ausblick 2026: Industrieseifen, Hygiene-Workshops & Plastik-Recycling
Bernise Revière: Ja, es sind sogar schon etwas mehr als 30 Hotels. Natürlich wollen wir noch mehr Hotelpartner gewinnen. Das ist erst der Start. Mehr Hotelpartner bedeuten mehr gebrauchte Hotelseifen und am Ende bedeutet das, mehr SapoCycle-Seifen kostenlos an bedürftige Menschen geben zu können. Das ist auch mein Appell: Wenn ihr feste Seifen benutzt – bitte nicht in den Müll werfen! Wir machen so tolle Sachen damit.
Aber wir denken für dieses Jahr noch weiter. Wir sind gerade im Gespräch mit Produzenten von festen Seifen in Deutschland. Wir würden gerne diese Seifenreste – sogenannte „Nudelreste“ aus der Industrie – recyceln. Wir würden gerne noch 2026 damit starten, diese Reste zu verarbeiten, damit wir noch mehr Seifen produzieren können. Was auch neu ist für 2026: Wir fangen mit Hygiene-Workshops an, zuerst in Bayern. Wir möchten den Menschen, denen wir die Seife geben, auch Wissen vermitteln. Für viele von uns ist es logisch, sich die Hände oder den Körper zu waschen, aber das gilt nicht für jeden. Das ist die Realität. Wir bauen gerade diesen Workshop auf und hoffen, dass wir im März oder Anfang April eine kleine „Hygiene-Workshop-Tour“ in Bayern machen können.
Und eine letzte Sache – ich kann noch nicht zu viel verraten, aber es hat etwas mit Plastik-Recycling zu tun. Vielleicht treffen wir uns Ende des Jahres nochmal, Sybille, wenn ich mehr dazu sagen kann. Es bleibt spannend!
Sybille: Das sind tolle Neuerungen und eine wertvolle Erweiterung eures Geschäftsmodells.
Bernise Revière: Die Ideen sind da. Wenn man einmal in der Kreislaufwirtschaft oder im Bereich Nachhaltigkeit tätig ist, sieht man die Dinge nach einer gewissen Zeit ganz anders. Manchmal sehen wir etwas und sagen: „Das wäre gut, das wäre nützlich.“
Gemeinschaft erleben: Zusammenarbeit auf Augenhöhe in der Werkstatt
Sybille: Ich sehe, dass du immer wieder neue Visionen hast. Man merkst, dass du für diese Mission lebst. Ich denke, es kommt auch viel an Emotionen zurück, was dich motiviert.
Bernise Revière: Das ist tatsächlich ein sehr wichtiger Punkt. Wir versuchen regelmäßig in der Werkstatt zu sein, zusammen zu arbeiten, mal Pizza zu essen oder einen Ausflug zu machen. Anfang Januar hat unser Partner, das Hotel Königshof in München, das gesamte Team der Werkstatt zu Tee und Kuchen eingeladen. So etwas machen wir. Es geht nicht nur darum, eine Idee zu haben und die Werkstatt im Stillen recyceln zu lassen, ohne dass man sich sieht. Das ist nicht unsere Vorstellung. In zwei Wochen fahren wir wieder hin. Der Besuch im Januar im Fünf-Sterne-Hotel Königshof war für die Mitarbeiter eine Premiere. Und bald gehen wir wieder hin, um ein bisschen mit ihnen zu arbeiten. Genau das ist die Besonderheit.
Sybille: Sehr schön. Ihr bringt die Menschen zusammen. Wenn die Leute aus dem Hotel sehen, was aus den gesammelten Seifen wird, entsteht ein echter Mehrwert.
Bernise Revière: Ja, genau. Es war auch für uns eine Premiere, dass das Housekeeping-Team auf die Werkstatt-Mitarbeiter getroffen ist. Das war wieder ein krasser emotionaler Moment für uns alle. Einige sagten: „Wie schön ist das jetzt zu sehen, wo die Seifen landen.“ Wenn man Teil unseres Projekts ist, gehört das dazu. Es kann sein, dass ich anrufe und frage: „Was denkst du, wenn wir so ein Event machen?“ Und meistens kommt ein begeistertes: „Ja klar, wie schön, da machen wir mit!“
**Sybille:**Was möchtest du unseren Zuhörern als Tipp mitgeben, wie sie heute einen magischen, nachhaltigen Moment in ihren Alltag einbauen können?
Bernise Revière: Mein Tipp ist super einfach: Schau genau hin, bevor du irgendetwas in den Müll wirfst. Egal, ob zu Hause oder im Hotel, frag dich kurz: „Könnten wir daraus etwas Neues machen? Oder wäre das noch gut für jemand anderen?“ Diese Frage finde ich sehr wichtig. Vielleicht ist es für mich ein Produkt, das ich nicht mehr brauche, aber für jemand anderen ist es genau das, was er benötigt. Wir müssen nicht so schnell wegschmeißen. Ein Beispiel aus dem Hotel: Es gibt dort Bettlaken, die nach einer gewissen Zeit nicht mehr gut genug sind. Aus diesen Laken kann man Hygienetaschen nähen lassen. Oder ein Hotel in der Schweiz hat bei einer Renovierung die wunderbaren Stoffe der Vorhänge gespendet, woraus unglaubliche Taschen entstanden sind. Das ist meine Inspiration: Bevor man alles wegschmeißt, nehmt euch die Zeit und schaut hin. Das könnte der Anfang eines wunderbaren neuen Projekts sein.
Sybille: Was für ein schöner Tipp! Das Umdenken und Hinterfragen: „Ist das Müll oder hat es noch einen Wert?“ Ganz tolle, inspirierende Ansätze, Bernise. Es war toll, dich heute dabei gehabt zu haben. Ich bin sehr dankbar dafür. Liebe Zuhörer, wenn euch der Podcast gefallen hat, gebt uns einen Daumen hoch und folgt uns. Bis zum nächsten Mal! Herzlichen Dank.
Bernise Revière: Merci! Gleichfalls.
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